Pranayama

'Pranaya namoh yasa sarvmedhem vasha' (Adharveda)—Ich verbeuge mich vor dem Prana, unter dessen Kontrolle die ganze Welt ist.

Pranayama ist ein sehr wichtiger Teil von Yoga, das in verschiedenen Formen in allen Yoga-Arten existiert. Pranayama ist die vierte Stufe im Ashtanga Yoga und spielt eine wesentliche Rolle bei der Kontrolle der Modifikationen im Gedankenfeld. Das Wort „Pranayama“ besteht aus Prana und ayama. Grundsätzlich ist Prana ein Wort aus dem Sanskrit, und stammt von der Wurzel ann ab, welches das Symbol des Lebens ist. In diesem Zusammenhang ist Prana das Synonym für das Leben an sich, oder aber „das Leben ist Prana“. Prana ist also diejenige Energie, die Bewegung möglich macht. Die Bedeutung von „ayama“ ist Ausdehnung oder Anreicherung. Die Bedeutung von Pranayama ist daher „die Ausdehnung und Anreicherung von Prana oder Kontrolle von Prana“.

 

All das, das im Universum eine vitale Kraft besitzt, ist Prana. Prana ist diejenige Kraft, die alles beweglich macht oder aktiviert. Prana ist der Ursprung der Bewegung. Prana bewegt unsere Gliedmaßen und erst mit Hilfe von Prana ist das Atmen möglich. Es ist Prana, das unseren Körper stark macht. Prana ist Kraft. Es gibt nur ein Prana, aber aufgrund seiner verschiedenen Funktionen wird es in fünf Haupt- und fünf Unterpranas klassifiziert.

 

Die fünf Hauptpranas

Udana: kontrolliert den Bereich über dem Kehlkopf und aktiviert Sinnesempfänger, wie Augen, Nase und Ohren und wirkt ausgleichend und aktivierend auf die Gliedmaßen sowie die dazugehörenden Muskeln, Nerven, Sehnen und Gelenke. Udana ist auch für das Aufrechtsein des Körpers verantwortlich.

Prana: (gleicher Name, jedoch in diesem Zusammenhang nicht das kosmische Prana) ist im Bereich zwischen Kehlkopf und Diaphragma aktiv und versorgt die Atmungs- und Sprachorgane sowie die Speiseröhre mit Energie. Es ist diejenige Energie, welche für das Einatmen zuständig ist.

Samana: wirkt zwischen Herz und Nabel und ist für die Verdauung zuständig. Es aktiviert Organe, wie Leber, Darm, Bauchspeicheldrüse und Magen und deren Sekretion. Es aktiviert das Herz und Kreislaufsystem und ist für die Aufnahme und Verteilung von Nährstoffen zuständig.

Apana: ist im Bereich zwischen Nabel und Zehen aktiv und ist für die verschiedenen Ausscheidungsprozesse verantwortlich; versorgt also den Dickdarm, die Nieren, den Anus und auch die Genitalien mit Energie.

Vyana: erfüllt den gesamten Körper einschließlich der Nadis (feinstoffliche Nervenkanäle) mit Energie; energetisiert, reguliert und kontrolliert alle Bewegungen und koordiniert die anderen Pranas.

 

Die fünf Unterpranas

Naga: ist verantwortlich für das Rülpsen und den Schluckauf.

Koorma: ist für das Öffnen der Augen verantwortlich und stimuliert das Blinzeln.

Krikara: verursacht Hunger und Durst, Niesen und Husten.

Devadatta: verursacht Schlaf und Gähnen.

Dhananjaya: ist diejenige Energie, die auch unmittelbar nach dem Tod vorhanden und für die Verwesung zuständig ist.

 

Definition von Pranayama

Einfaches Pranayama ist eine Atemübung. Für den physischen Nutzen ist Pranayama nur eine Lungenübung. Das wirkliche Ziel ist es aber Prana vom Universum zu beziehen und es zu kontrollieren und auszudehnen bzw. anzureichern. Es ist nicht richtig, dass Prana der Atem ist, aber mit Hilfe des Atems ist es möglich Prana anzuziehen und zu kontrollieren.

 

Die Kontrolle von Prana ist Pranayama und es gibt verschiedene Definitionen von Pranayama. Die Vereinigung von Prana und Apana ist Pranayama. Rechaka (Ausatmung), Puraka (Einatmung) und Kumbhaka (Anhalten des Atems) sind die drei Elemente von Pranayama. Pranayama ist wie Pranava (AUM). Sowie es in AUM die drei Buchstaben a, u und m gibt, so gibt es in Pranayama Rechaka, Puraka und Kumbhaka. Der Baghavad Gita zufolge lösen manche Menschen Apana in Prana auf, das internes Anhalten des Atems bedeutet und manche Prana in Apana. Andere wiederum kontrollieren Apana und Prana. Das sind die verschiedenen Techniken von Pranayama.

 

Tasmin sati svasa prasvasayoh gati vicchedah Pranayama—Nachdem man die Beständigkeit der Asanas erreicht hat, folgt Pranayama - der Stillstand der Bewegung des einströmenden und ausströmenden Atems.

 

Tasmin: dieser (Asanas)

Sati: sein

Svasa: das Einatmen

Prasvasayoh: das Ausatmen

Sati: von den Bewegungen

Vicchedah: Anhalten

Pranayama: Atemregulierung

 

Yog Darshan zufolge gibt es grundsätzlich vier Arten von Pranayama

1. Bahya: externes Anhalten des Atems

2. Abhyantara: internes Anhalten des Atems

3. Stambha: vollkommene Beherrschung

4. Caturthah: nachdem der externe Bereich durch das Maß der Zeit gemeistert wurde, Raum und .. wurden hinter sich gelassen.

Ad 4.: Caturthah: the sphere of external having been mastered by the measurements of time, space and number, is left behind , similarly is the sphere of internal thus measured, left behind. In the case of both, it becomes long and subtle. It is the cessation of the movements of both, in sequence of the attainment of that state, by gradual mastery over the different states.

 

Im Pranayama gibt es drei Hauptbestandteile: Rechaka, das Ausatmen, Puraka, das Einatmen und Kumbhaka, das Anhalten des Atems. Von diesen drei Bestandteilen ist aber Kumbhaka der wichtigste von allen. Darum wird im Hatha Yoga Kumbhaka auch als Synonym für Pranayama verwendet.

 

Abgesehen von den den Pranayamas des Yog Darshan (Yoga-Philosophie), gibt es im Hatha Yoga weitere Pranayamas. In der Gheranda Samhita gibt es Sahit, Surya Bhedi, Ujjayi, Sheetali, Bhastrika, Bhramhri, Moorcha und Keval. In der Hatha Yoga Pradipika werden Keval und Sahit Pranayama nicht aufgelistet, dafür jedoch Plavini und Seetkari-Pranayama. Sahit Kumbhaka (Pranayama) besteht aus zwei verschiedenen Arten: 1. Sagarpha, das mit einem Beej-Mantra (Kurzform eines Mantras) und 2. Nigarpha, das ohne einem Beej-Mantra ausgeführt wird.

 

Alle diese Pranayamas sind nur dann sinnvoll, wenn sie nach der Reinigung der Energiekanäle in unserem Körper praktiziert werden. Darum gibt es im Hatha Yoga das Nadi Shodhan, das vor dem Pranayama durchgeführt werden soll. Hatha Yoga besagt, dass nur dann, wenn Prana im Körper ist, dieser lebendig ist, also Leben besteht. Denn die Vereinigung zwischen Körper und Prana ist Leben und die Trennung von Prama und Körper bedeutet Tod. Darum sollten wir Pranayama praktizieren. Yoga ist die Kontrolle der Modifikationen des Gedankenfeldes. Pranayama spielt eine überaus wichtige Rolle um unser Citta (Teil des Gedankenfeldes) zu kontrollieren, da Citta und Pranayama in enger Beziehung stehen. Wenn sich Prana bewegt, dann bewegt sich auch Citta. Wenn Prana stillsteht, ist auch Citta still. Wenn beide stagnieren, dann erfreut sich der Yogi eines langen Lebens. Yog Darshan zufolge wird der Schleier des Lichts vernichtet, wenn Pranayama praktiziert wird. Das Karma des Yogi, das das Licht verhüllt und ihn an die Wiedergeburt bindet, wird schwach durch das Praktizieren von Pranayama und schlussendlich wird der Schleier des Lichts zerstört. Es gibt keine wirkungsvollere Reinigungsmethode als Pranayama. Pranayama wirkt auf den Verstand/Geist vorbereitend für die Konzentration, da es ihn stabilisiert.

 

Pranayama ist das größte aller Tapas und es verbrennt alle Unreinheiten. Es ist wie ein Feuer, in dem alle Unreinheiten verbrannt werden; so wie Gold, das auch alle Unreinheiten verliert, wenn es im Feuer gereinigt wird.

 

In der Bhagavad Gita heißt es, dass unser Mana der Grund für Bindung und Befreiung ist. Wenn Citta sich bewegt, dann existiert diese Welt und wenn Citta bewegungslos ist, dann ist dies der Zustand von Moksha. Um diesen Zustand zu erreichen, um unsere Unreinheiten zu verbrennen, um das Licht zu erkennen sollten wir Pranayama praktizieren.